Guten Tag, Brockhaus mein Name…..

Nachdem ich gestern mal wieder eine Clubnacht hinter mich gebracht habe, juckt es mich extrem in den Fingern mal über ein sehr verbreitetes Phänomen im DJ Leben zu sprechen: Menschen mit Musikwünschen! …..soweit erstmal überhaupt kein Problem (immer vorausgesetzt, es passt zu Stil und Stimmung / Spannungsbogen)….naja, eigentlich doch ein Problem, mir scheint nämlich, das der gemeine „Musikwünscher“ in 9 von 10 Fällen über gar nichts nachdenkt. 

Gestern gab´es z.B. diesen netten jungen Mann, der mich vorher über MySpace angeschrieben hat und nett gefragt hat, ob ich einen bestimmten Remix von Janet Jackson spielen kann. Da ich den besagten Mix nicht hatte, hat er doch abends einfach die Scheibe mit in den Club gebracht, nachdem ich versprochen habe, sie zu Spielen, wenn mir der Mix gefällt. Das habe ich dann auch getan und somit sind alle glücklich – so kann man arbeiten! Leider ist das aber ein Ausnahmefall…..in der Regel passieren dann eher solche Sachen:

„Kann ich mir was wünschen?“

„Ja klar, ….“

„Kannst Du mal Lied 2 von der 2. CD von der Kontor – Top Of The Clubs Nr.XY spielen?“

„???“

„Hat Du das nicht? Das ist total toll!“

„Wie heisst denn der Titel oder weisst Du von wem die Scheibe ist?“

„Nein, aber es ist das zweite Lied von der…“

„Ja, habe ich verstanden, aber ich kenne nicht alle Compliations….“

„Die musst Du Dir aber unbedingt kaufen, kannste dann ja mixen“

„Fertig gemixte Compliations eignen sich eher schlecht zum Auflegen..“

„Wieso? Ist doch auch gemixt??“

Erlebnis 2:

„Hallo! Kannst Du mal den Titel vom Soundtrack von „Keinohrhasen“ spielen, der lief im Film am Schluss!“

„Ich schaue mal, ob ich den mithabe, dann kann ich den spielen.“

„O.K“

5 Minuten später:

„Und? Hast Du ihn gefunden?“

„Nein, tut mir leid, habe ich heute nicht dabei!“

„Warum denn nicht? Oh man…..“

 Erlebnis 3:

Ein mit fortschreitender Stunde auch zunehmend immer alkoholisierterer junger Mann, mir flüchtig bekannt, der mich ständig anschrie: „Ey Djana man, auf MySpace ist Deine Musik vieeeeeelll härter!“

O.K., die ersten 2 Mal habe ich mich doch (dummer und unnützlicher Weise) wirklich darauf eingelassen erklären zu wollen, das auch je nach Party das Musikprogramm ein wenig an das Publikum angepasst wäre – schliesslich sollte man als DJ nicht immer um jeden Preis (s)einen Stiefel durchziehen, sondern auch Interesse daran haben, den Menschen einen schönen Abend zu bescheren. Das geht nicht in jedermans Kopf….es bringt auch nichts mich dann, noch weitere 7 Mal anzuschreien mit der selben Aussage.

AAAAAAAAHHHH……Leute – HALLO?

Punkt 1: Auch wenn man DJ ist, heisst es nicht, das „wandelnder Musikkatalog“ der 2. Künstlername ist. Überlegt doch mal: Woher zur Hölle, soll ich die Playlisten jeglicher Mixcompis (die ich meisst eh nicht kaufe) kennen und Dir sagen, was Song 1,2,3, was auch immer ist?

Punkt 2: Wenn Dir ein Lied gefällt, warum hast Du keinen Plan, wie Interpret oder Titel heisst? Verstehe ich rein logisch nicht…einfach für mein Verständnis – wenn mir was gefällt, erkundige ich mich oder nicht? Erklärt es mir! Im Besonderen zu „das Lied vom Soundtrack von Keinohrhasen“: Dieser Mix des Songs „Mr. Brightside“ von The Killers ist von Jacques Lu Cont – einem DER Remixgenies der letzten Jahre und in diesem speziellen Fall einer der genialsten Remixe ever!! Das mal vorab ….. erweist doch dem Produzenten einer solch´genialen Nummer doch wenigstens den Respekt, Euch Titel und Namen merken zu können, dazu müsste es doch reichen? (Ganz wichtig – das 11. Gebot: „Du sollst nicht singen!“….Beiträge wie: „Das ging so…bumm, bumm…und dann singt da jemand irgendwas…“ sind selten hilfreich (weil die meissten nicht nur Titel und Artist nicht kennen, sondern auch nicht den Text!;-))

Punkt 3: schliesst an Punkt 2 direkt an – auch wenn ich den „Mr.Brightside“ Remix für einen der genialsten Mixe der letzten 10 Jahren halte: DAS DING IST CA. 3,5 JAHRE ALT! a) Bitte überlegt mal, wieviel Vinyl und CDs man an so einem Abend als DJ in den Club schleppt – glaubt Ihr, ich kann ALLE Platten, der letzten 10 Jahre mitnehmen? Info: Nein, kann ich nicht und will ich auch nicht. b) Als DJ sortiert man in der Regel sehr kontinuierlich seine Platten aus und nimmt neue dazu, ansonsten spielt man immer das Gleiche und vor allem „olle Kamellen“. Bitte denkt doch daran und akzeptiert es, besonders, wenn Ihr mal wieder rummeckert, das man irgendeinen ausgelutschten Clubhit von 4 Jahren nicht mit hat. (das beziehe ich jetzt nicht auf die Platte von Jacques Lu Cont).

Punkt 4: Wenn ich den Song nicht habe (oder keinen Titel oder Artist), kann ich ihn logischer Weise nicht spielen. Das hat nichts mit Absicht oder Laune zu tun – lest von meinen Lippen/aus meinen Zeilen: Ohne Titel/Platte, kein Auflegen. Das ist so einfach wie: Ohne Knete, keine Fete. PUNKT. Bitte jetzt KEINE Diskussion anfangen – es bringt doch nix…… (ausser schlechter Laune).

Punkt 5: Mit Freundlichkeit kommt mal immer weiter! Wie es in den Wald schallt, so kommt man zurück. Warum meinen manche Leute, wenn sie mich im Club anraunzen, würden sie weiterkommen? Verstehe ich nicht….will ich auch nicht.  Und bitte nicht wundern, wenn ich nicht vor Freude überschäume, weil ihr mich gerade angemault habt….. 

Punkt 6: Gefällt Dir meine Musik nicht, kannst Du das gerne äussern. Sollte es im Bereich des Möglichen liegen, bin ich gerne optimierungsbereit. Wenn 400 Leute tanzen, aber Du meinst, die Musik muss geändert werden, weil sie alleine DIR nicht gefällt, bist Du auf der falschen Party – einfach mal kurz darüber nachdenken. Bitte versuch´mich nicht den ganzen Abend zu bequatschen, ich soll härter/softer/lauter/leiser/etc. spielen – es wird nichts bringen……

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, das ich keinen Spass an meinem Job habe und es mich nervt, wenn Leute zu mir kommen. Ganz im Gegenteil: ich freue mich, rede gerne und hole mir ein ehrliches Feedback ab (sowohl positiv als auch negativ), aber Kinder: wer kein Benehmen von zu Hause mitbekommen hat, soll bitte auch zu Hause bleiben oder mich einfach nicht ansprechen. Recht herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit…..

Über djana

DJANA is living in Hamburg, Germany. DJing since more than 10 years, there are some stories to be told about the life on the dancefloor, which might seem familiar to some readers, especially when they have a connection to club life. Being a resident for "In Bed With Space", "Fuck Me I´m Famous" or the "White Party" for several years, led her around the globe and experience the one or other weird story, that you can read about here in this blog.

Veröffentlicht am März 24, 2008 in Clubs, DJ, DJANA, Electro, Hamburg, House, Nightlife, Unisex und mit , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. HERRlich! Das musste mal gesagt werden. Oh mann, das kommt mir alles so bekannt vor…

  2. du bist großartig…🙂 habe mich sehr über deinen text amüsiert… so nah an der realität… hoffe nur dass ich im suff nie so mit dj’s geredet habe… :-))dicker knutschi, sistaaa

  3. HA, das habe ich mir doch gedacht, mein Lieber! Wir sollten doch vielleicht zusammen mal einen Bestseller zu dem Thema schreiben, denke Du hast auch einiges beizusteuern!

    Schwesterchen: es freut mich, das ich Dich erheitern konnte – in der Tat war ich nach dem Abend aber echt genervt!:) und NEIN, DU bist sicher auch mit 3,2 Promille nicht so…da bin ich ganz sicher…

  4. Hehe – witzig! Aber es geht noch besser:

    Kandidat kommt ans Pult: „Sag mal hast du XYZ von Mc Hammer?“

    (was ein Glück, ist ne aktuelle Platte, die auch in meiner Tasche liegt)

    Ich: „Jau, spiel ich gleich“

    Er: „Toll! Schön laut bitte!“

    25min später (Track lief bereits!!)

    Er: „Sag mal, wolltest du nicht XYZ von Mc Hammer spielen? Mach mal bitte!“

    Gott, lass es bitte Hirn, Ohren und eine VIP-Abgrenzung für die Kanzel regnen!!!

  5. Auch ein Klassiker, letztens habe ich auf dem Dorf gespielt, da war ein total besoffener Typ.

    Peter Promille: „Ey, 3 Bier bitte!“

    Ich: „nö“

    PP: „Alter, mach mal – schnell“

    Ich: „nö“

    (er schmeisst nen Zehner auf den Teller)

    Ich: „…“ (sage nicht, zeige ihm das „gott laß hirn regnen“ zeichen)

    PP: „Oder mach doch lieber 2 Cuba Libre“

    Dann hat der Vogel mit seinen Dreckgriffeln die Platte angehalten, ich hab draufgehauen, Türsteher stand gerade daneben – Peter Promille mußte jetzt leider gehen – ich steck seinen Zehner ein. Nächstes Mal besser Drinks beim Klomann kaufen!

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