Bin ich in oder auf der schiefen (U-)Bahn?

Nachdem ich ja seit einigen Wochen zu den passionierten U-Bahn-Fahrerinnen gehöre, juckt es mich doch wieder mal in den Fingern, ein paar Fragen zu stellen, die ich selber nicht ganz beantworten kann.

O.K., ich muss zugeben, es ist auf jeden Fall schöner, das ich in der Firma ankomme, bereits einen Rieseneimer Kaffee getrunken und in meinem spannenden Buch gelesen habe (Roberto Saviano – „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“), mich nicht über Stau an und um die Alster aufregen muss oder darüber, das ich wieder keinen Parkplatz in Nähe der Firma finde – ja, das ist gut, sogar ziemlich gut!
An dieser Stelle einen herzlichen Gruss an meinen Verbündeten bei „Coffee Unlimited“, der mir schon immer meinen Kaffee einschenkt, wenn er mich am Borgweg auf der Strassenseite längstrotten sieht – so kann man arbeiten!!
Ja und ich muss auch sagen, ich hätte es rein Linien-technisch auch schlechter treffen können – abgesehen davon, das die U3 die Linie der schönen Männer ist, erfreue ich mich jeden Morgen an dem grandiosen Anblick des HHer Hafens. Daran kann ich mich nie sattsehen, besonders bei Sonnenschein.
Aber ein Phänomen lässt mir seit Wochen keine Ruhe:
telefonierende Menschen in der vollbesetzten U-Bahn…..gut, es passiert immer mal, das man wirklich dringend irgendwas durchgeben muss, es einfach mal klingelt, während man in der Bahn sitzt oder eben die heissgeliebten Mitmenschen in einer lebensbedrohlichen Lage sind („Ich habe nichts anzuziehen!“, „Er hat sich immer noch nicht gemeldet“ oder „Mein Schwein pfeift – schon seit gestern…“), die sie einem mitteilen müssen. Ist mir auch schon mal passiert. Allerdings muss ich sagen, das ich mich gerne kurz & dezent halte oder halt zurückrufe, wenn ich ausgestiegen bin – mir ist es irgendwie unangenehm, wenn ca. 80 Ohrenpaare zuhören. Mich beschleicht aber mittlerweile das Gefühl, das ich damit alleine bin.
Die Gespräche an sich, sind ja eine Sache – aber warum in Hergotts Namen müssen einige Leute SO laut und SO lange telefonieren, das man einfach nicht weghören kann bzw. sich nicht mal mehr auf sein Buch konzentrieren kann?

Sorry, wenn ich mich da anstelle, aber es gibt durchaus eine Menge an Themen, die ich von meinen Mitmenschen einfach nicht wissen möchte. Streit mit der Schwiegermutter, Furunkel am Allerwertesten, Puschihasischnuckipupsi-Liebesbekundungen in 20-minütiger Ausführlich- & Peinlichkeit, um nur ein paar zu nennen.

Bin ich denn damit wirklich so alleine?
Was ist denn mit „Privatsphäre“?
Nicht nur für den Telefonierenden, sondern auch für mich?

Zugegeben, privat ist man in der Bahn nie, aber vielleicht führen die dort auch mal „Separees“ ein? Heute war wieder ein Tag an dem ich mir das gewünscht hätte, dringend – ULTRA dringed.
Neben mir sass eine Walküre, die mit ihrem Lover telefoniert hat in unangenehmster, peinlichster Weise, nicht ohne ihm auch jedes Mal die Haltestelle durchzugeben an der wir gerade waren.
„Ja Schnucki……nein Schnucki……ich bin jetzt am Schlump, Schnucki…..neee, *hihihihihihi*, ja ich fand’s auch total geil….*hihihi*…nee, hör auf, ich werde rot!“
Ey sorry – TOO MUCH INFORMATION!!
Versteht mich jemand?
Spinne ich?
Werde ich spiessig oder alt?
Vielleicht sogar beides?

Wer die Antwort weiss, bitte melden.

Über djana

DJANA is living in Hamburg, Germany. DJing since more than 10 years, there are some stories to be told about the life on the dancefloor, which might seem familiar to some readers, especially when they have a connection to club life. Being a resident for "In Bed With Space", "Fuck Me I´m Famous" or the "White Party" for several years, led her around the globe and experience the one or other weird story, that you can read about here in this blog.

Veröffentlicht am Februar 25, 2009 in DJANA, Hamburg und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Die U3 ist die Linie der schönen Männer? Mit diesem Slogan sollte die Hochbahn werben.
    Die Gespräche (mit oder ohne Telefon) nerven mich nicht so. Oft muss ich mich zusammenreißen, um nicht zu amüsiert zu grinsen oder laut loszulachen. Für mich ist das ein soziokulturelles Sprudelbad im echten Leben. „Ey dicker – was geht?“

  2. Diese Comedyabteilung habe ich eher abends (allerdings fahre ich selten abends Bahn) und ja, da muss man schon mal Lachen…..faszinierend auch das Phänomen, das Deutsche Jugendliche oft einen ausländischeren Akzent oder Satzbau haben, als die ausländischen Mitfahrer („Ey Digga, geh’ich so Bahn, fährt die schon weg!“).
    Werde den HVV wegen dem Slogan kontaktieren – zwischen 07.45 und 08.15 h fahren da ganz oft voll die Schnitten mit!;-)

  3. Ich finde es auch extrem gruselig was so für Wortneubildungen in den Bahnen hochkommen…Und Telefonate dieser Art nerven mich ganz gewaltig. Nicht wegen dem Telefonat an sich sondern weil ich dann imemr denke: Super wegen solchen Menschen sind wir so kacke im Pisa Test…

  4. Naja, was soll man machen? Ausser vielleicht den eigenen Kindern, die man vielleicht irgendwann hat, versuchen beizubringen, das man auch ganze Sätze bilden kann.:)

  5. Ich fahre auch täglich Zug und dann weiter mit Bus und Bahn. Und mich nervt es auch. Wissen die Leute nicht, dass JEDER mithören kann? Was da teilweise erzählt wird. Ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten, wenn ich mal telefonieren muss und persönliches gebe ich nie preis!
    Aber um ehrlich zu sein, nerven mich auch die Leute die nur auf ihr Smarphone oder Tablet starren genauso. Und die sind ja eigentlich leise. Aber irgendwie ist keiner mehr von dieser Welt😉

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